Donnerstag, 30.04.2015

Zwölf Tore in vergangene Zeiten

„Erinnerungen hinter Glas“ regen Bewohner und Besucher des Elisabeth-Tombrock-Hauses zu Gesprächen an

Ahlen. „Schau, ein 20-Mark-Schein. Ja, so sah der aus. Ach und hier: die Pfennige…“ So oder ähnlich laufen jetzt die kleinen Schwätzchen auf einem Flur im Elisabeth-Tombrock-Haus ab. Da erinnern sich die Bewohner an das Geld, mit dem sie einen Großteil ihres Lebens bezahlten. Da sehen sie Filmschauspieler wie Lilo Pulver, Audrey Hepburn oder Willy Fritsch, die sie lange begleiteten. Und sie entdecken alte Werbung von Dr. Oetker und Miele-Waschmaschinen wieder.

Es ist eine wahre Zeitreise, die Hauswirtschaftsleiterin Käthe Winkelmann und Stellvertreterin Mechthild Reitzke an die Wand gebracht haben. „Erinnerungen hinter Glas“ heißen die Collagen, die die Senioren zurückversetzen in ihr einstiges Alltagsleben. Sie wecken Gefühle und geben Impulse - ein tolles Erlebnis auch für die an Demenz erkrankten alten Menschen.

„Wir haben das in einem anderen Seniorenheim gesehen“, erklärt Käthe Winkelmann am Mittwoch bei der Vorstellung des Projekts, „und ich habe gleich gedacht: Das machen wir auch.“

Weil das ganze ja auch ein bisschen kostet, habe sie den Förderverein mit ins Boot geholt. Und der habe sich von der guten Idee schnell anstecken lassen. „Ein halbes Jahr lang haben wir dann gesammelt“, deutet Käthe Winkelmann auf ihre Mitstreiterin Mechthild Reitzke. Im Bekannten- und Freundeskreis und in den eigenen Ecken zu Haus fanden die beiden Frauen beispielsweise die alten Geldstücke, ein Bekannter stellte Briefmarken von den 50er bis 80er Jahren zur Verfügung, andere hatten noch alte Seifenstücke aufbewahrt. für die Themencollage Backen wurden Gegenstände aus einer Puppenküche besorgt. Käthe Winkelmann und Mechthild Reitzke ließen ihrer Kreativität freien Lauf: „Und wir hatten auch jede Menge Spaß dabei.“ Zwölf Collagen sind so entstanden - nicht auszuschließen, dass noch ein paar Bereiche hinzukommen.

Damit das ganze auch einheitlich und ansprechend präsentiert werden kann, hat der Förderverein in die Tasche gegriffen. Für 530 Euro wurden schlichte und im Gegensatz zum Inhalt moderne Rahmen angeschafft.

Vereinvorsitzender Heinz Wehnhardt und Schatzmeister Erhard Richard sind angetan von den „Erinnerungen hinter Glas“: „Wenn meine Schwiegermutter noch Leben würde, die würde vor jedem Rahmen stehen bleiben und dazu was erzählen“, schmunzelt Erhard Richard. Und Heinz Wehnhardt, bald stolze 85 Jahre alt, denkt gleich an die alten Erinnerungsstücke, die er selbst noch zu Hause hat:: „Letztens habe ich noch so alte Brotmarken aus der Nachkriegszeit gefunden.“

Der Förderverein ist erst drei Jahre alt, hat aber schon viele Aktionen im Elisabeth-Tombrock-Haus mitfinanziert oder ganz übernommen. Die Spieltische im Garten zum Beispiel. Und die musikalischen Nachmittage mit verschiedenen Künstlern. „Wir sind immer dort, wo wir ergänzen können, was das Haus macht“, erklärt Erhard Richard, „und wir freuen uns auch über neue Mitglieder, die mit einem kleinen Betrag helfen können.“ Wer die Arbeit des Fördervereins unterstützen oder Mitglied werden möchte, kann sich unter der Telefonnummer 89 34 01 näher informieren.

Ahlener Zeitung, 30.April 2015