Mittwoch, 28.04.2010

Vertraute Worte und Klänge, an die man sich anlehnen kann

Gottesdienste für demenziell erkrankte Bewohner

(v.l.) Margret Wessel und Hildegard Gründel (vorn), Katrin Röttjes und Barbara Portmann-Gawer

Seit Advent 1999 finden im Elisabeth-Tombrock-Haus Ahlen Gottesdienste für demenziell erkrankte Bewohnerinnen und Bewohner statt. Die ehrenamtlich im Haus Tätige Barbara Portmann-Gawer und die Pfarrerin Lindtraut Belthle-Drury verwirklichten die Idee, einen Gottesdienst zu gestalten, der in besonderer Weise Gefühle und Sinne anspricht und

sich auf das Langzeitgedächtnis der Teilnehmenden stützt. Für den ersten Gottesdienst nähte Barbara Portmann-Gawer dreißig  mit Reis gefüllte Stoffsterne. Roter Stoff mit auf-gedruckten Sternchen in goldenem Farbton: ein besonderer Handschmeichler.

Die Richtung ist klar. Demenziell erkrankten Menschen soll die Möglichkeit gegeben werden, sich angesprochen zu fühlen, sich an vertraute Worte und Klänge anlehnen zu können. Aus diesem Grund wird zum Beispiel für einen Gottesdienst in der Regel nur ein Lied ausgewählt, dessen Strophen einen roten Faden im Gottesdienst bilden.

Immer wieder bekommen die Gottesdienstteilnehmer Dinge in die Hand: kleine Holzkreuze, Steine, Blumen, Handwärmer – oder ganz einfach die Hand eines mitfeiernden Menschen. Berühren und sich berühren lassen, leibhaftig und seelisch, das ist wesentliches Element der Gottesdienste, die mittlerweile regelmäßig monatlich stattfinden.

Es kamen neue Mitarbeiterinnen dazu, Erfahrungen wurden geteilt, neue Ideen gesammelt. Seit über sieben Jahren ist Margret Wessel dabei, bereitet mit Barbara Portmann-Gawer und Pfarrerin Katrin Röttjes die Gottesdienste gemeinsam vor. Alle drei sind sich einig: „Es ist immer wieder anrührend zu sehen, wie Lieder, Psalmen und das Vaterunser Bewohnerinnen und Bewohner, die sonst fast völlig verstummt zu sein scheinen, zum Mitsingen und Mitsprechen bewegen.“

Hildegard Gründel und Anne Fröhlich, die ebenfalls als ehrenamtliche Helferinnen beteiligt sind, holen mit den übrigen Mitwirkenden die Bewohner nicht nur aus ihren Wohnbereichen, sondern nehmen Platz zwischen den Bewohnern Sie können so durch Nähe und Zuwendung die freundliche Atmosphäre des Gottesdienstes verstärken.

„Ein Lächeln ist ein kostbarer Dank“ weiß Hildegard Gründel, Katrin Röttjes erlebte eine Überraschung, als sie eine Bewohnerin im Rollstuhl zurück in ihren Wohnbereich brachte,

denn diese sagte plötzlich: “Da merkt man doch, dass man noch was wert ist.“

„Wir möchten den Menschen Freude bereiten“, betont Margret Wessel und erlebt immer wieder, wie dies gelingt durch einfache Symbole und Gesten, Geschichten und Melodien.

Wenn aber alle miteinander eintauchen können in eine dichte Atmosphäre, ist das nichts, das sich allein durch noch so sorgsame Vorbereitung und anschauliche Gestaltung „machen“ lässt. Es ist auch Geschenk.

Katrin Röttjes 

Pfarrerin