Donnerstag, 31.07.2008

Vertraute Klänge und Worte, an die man sich anlehnen kann

Gottesdienst für demenziell erkrankte Bewohner im Elisabeth-Tombrock-Haus

Das Licht im Raum ist gedämpft. In der Mitte stellen handgearbeitete Figuren die Bibelstelle von Johannes dem Täufer nach, ein Kreuz und eine Kerze runden das Bild ab. Rundherum haben sich etwa 15 demenziell erkrankte Bewohnerinnen und Bewohner des Elisabeth-Tombrock-Hauses sowie fünf ehrenamtliche Mitarbeiterinnen versammelt.
Seit bereits sechs Jahren bereitet ein Team mit Pfarrerin Katrin Röttjes und den beiden Ehrenamtlichen Barbara Portmann-Gawer und Margret Wessel die monatlich stattfindenden Gottesdienste speziell für demenziell erkrankte Bewohner vor. Grundgedanke dabei ist die Gemeinschaft in einer ungezwungenen Atmosphäre mit vielen Wiedererkennungseffekten. „Wir möchten den Menschen Vertrautes schenken. Klänge und Worte, an denen sie sich anlehnen können“, sagt Barbara Portmann-Gawer. „Häufig ist es ein besonderes Lied, was sich durch den gesamten Gottesdienst zieht. Strophenweise begleiten altbekannte Marienlieder, Psalmen und Gebete, die viele noch zu Schulzeiten gelernt haben, den Gottesdienst wie ein roter Faden.
Die Dauer der Gottesdienste ist bei etwa dreißig Minuten angelegt. Sorgfältig überlegte und bewusst gesetzte Impulse bilden den Rahmen. „Uns kommt es auf Gesten an“, berichtet Margret Wessel. „das Anfassen der Hände beim Vater unser wird von den Bewohnern als wohltuendes Gefühl wahrgenommen. Eine duftende Blume oder ein schwerer Stein in der Hand wecken Erinnerungen und Sinnesreize.“
Für diese Zielgruppe geht es weniger um theologische Ausarbeitungen. „Vielmehr ist es die direkte Ansprache der kleinen Bewohnergruppe, die Berührung der Menschen im ‚Hier und Jetzt’,“ schildert Pfarrerin Katrin Röttjes. Als besonderes Erlebnis ist ihr z.B. das Thema der Himmelfahrtsgeschichte in Erinnerung geblieben: Während sie die Bibelstelle des Abschieds Jesu von seinen Jüngern erzählte, ging sie selbst von einem zum anderen Bewohner. Jedem gab sie die Hand und verabschiedete sich von ihm in einer Form, wie Jesus es vielleicht getan hätte. Spontan reagierten einige Bewohner ebenfalls mit einem „Auf Wiedersehen“ und „Gute Reise“. Es entstand eine Stimmung, die demenziell erkrankte Menschen im wahrsten Sinne des Wortes be-greifen konnten.
Vor allem die spontanen, aus tiefem Herzen geäußerten Bemerkungen der Bewohner lassen auf ihre innere Beteiligung schließen. Viele Bewohner machen am Ende des Gottesdienstes einen entspannten, gelösten Eindruck. Das dreiköpfige Vorbereitungsteam kann inzwischen auf viele Erfahrungen und besondere Momente zurückblicken. „Wir sehen diese Form der Gottesdienste auch für uns persönlich als besondere Herausforderung und Bereicherung“, sind sich alle einig.