Freitag, 27.02.2015

Mit Theater und Humor gegen Traurigkeit

Sabine Bode las aus dem Buch „ Frieden schließen mit Demenz“

Es ist das Gefühl der Angst, das eigentlich alle Menschen befällt, wenn es um das Thema Demenz geht. Kaum einer möchte sich befassen mit dieser schlimmen, unheilbaren Krankheit. Man hofft, dass man selbst nicht dement wird und verdrängt lieber, als sich mit der Problematik zu befassen.
Für Sabine Bode ist das jedoch der falsche Ansatz. "Mein Anliegen ist es, das Thema in die Mitte der Gesellschaft zu bringen“, erklärt die freie Journalistin und Autorin am Mittwoch im Elisabeth-Tombrock-Haus den Zuhörern. Deshalb hat sie ihr neues Buch "Frieden schließen mit Demenz“ geschrieben, ein Buch „über Beziehungen und keinen Ratgeber“, wie die Autorin ausdrücklich betont.

Geschildert werden unter andrem Pioniere im Umgang mit der Krankheit, die ganz neue Wege gehen. Mutig, unverkrampft und ganz ohne Angst. So traf Sabine Bode bei ihren Besuchen diverser Senioren- und Pflegeheime Carmen Hörter, eine Mitarbeiterin im Sozialen Dienst, die sich einmal pro Woche in die Demenzclownin „Rosa“ verwandelt. "Was haben unsere Bewohner davon, wenn man sie bespaßt?“, fragen sich da einige skeptische, erfahrene Pflegekräfte. Die Antwort lautet: eine Flucht aus Einsamkeit und Tristesse. So konnte Sabine Bode beobachten, wie eine Frau traurig in einer Ecke ein altes Fotoalbum durchblätterte und ihr der Clown ein Lächeln zurückschenkte. Es scheint also wahr zu sein, wenn Marcel Briand behauptet, dass „Clowns und Menschen mit Demenz seelenverwandt“ sind.

Auch Barbara Wachendorff beschreitet neue Pfade im Umgang mit dem Vergessen. Ginge es nach ihr, gäbe es in jeder Einrichtung ein Theater: kulturelle Teilhabe gegen Isolation. „Gedächtnisverlust heißt nicht, dass man seine Lebenserfahrung einbüßt“, ist sie überzeugt. Und so blühen Menschen im mittleren Stadium der Demenz auf der Bühne geradezu auf, haben eine bessere Kontrolle über sich als im Alltag.

Besonders beeindruckend schildert die Autorin das Schicksal eines alten Herrn, der sich nur noch pfeifend unterhielt, aber auf der Bühne wieder sprach. Das Theaterspielen scheine ein Grundimpuls des Menschen zu sein. „Der Satz, wer soll das bezahlen, ist immer ein Totschlagargument“, begegnet Sabine Bode Kritikern der Einführung solcher Projekte. Man brauche vielmehr Hoffnung, um Visionen für einen besseren Umgang mit Demenz zu entwickeln.

Ahlener Zeitung, 27.02.2015