Montag, 17.09.2007

Kunst im Flur

Bewohner des Elisabeth-Tombrock-Hauses gestalten ihr Wohn- und Lebensumfeld

 

 

 

1. Bild: Mobilé, 2. Bildfries, 3. Wandrelief "Gesicht"

Ein Mal in der Woche treffen sich Bewohnerinnen des Elisabeth-Tombrock-Haus in Ahlen zum Malen und Werken unter Leitung des Künstlers und Kunsttherapeuten Christian Müller aus Düsseldorf. Mittlerweile schmücken viele Bilder der Bewohner (Malereien und Zeichnungen) gerahmt die Flure des Seniorenheimes. Vor einem Jahr setzten sich die Künstler ein neues Ziel: die künstlerische Gestaltung der acht Meter hohen Treppenhäuser selbst in die Hand zu nehmen. Die Ergebnisse dieses ein Jahr währenden, gemeinsamen künstlerischen Arbeitsprozesse und die daran beteiligten Künstler werden am 17.09.2007 im Rahmen des Welt-Alzheimer-Tages gewürdigt.
Im Treppenhaus Nr.1 wurde ein großes Mobilé installiert, das aus bemalten geometrischen Raumkörpern besteht (Pyramiden, Würfel, Quader etc.). Die Seiten dieser an Fäden hängenden Raumkörper bestehen aus von den Bewohnern mit unterschiedlichen Motiven bemaltem Papier. Durch die langsame, fast zeitlupenartige Bewegung der Körper entstehen für den Betrachter immer neue Ansichten und Konstellationen dieser farbenfrohen, sich um sich selbst und im Raum drehenden Objekte.
In das Treppenhaus Nr. 2 wurde ein 50 cm breites und 5 m langes Bildfries gehängt. Mehrere Wochen lang arbeiteten die Bewohner mit Aquarellfarben und Stiften an diesem Gemeinschaftsbild. Wie bei einem Wandteppich bilden die von den einzelnen Künstlern gestalteten Bereiche des Bildes ein dichtes Geflecht mit bunten, oft pflanzlichen Motiven oder abstrakten Elementen.
Im Treppenhaus Nr. 3 ist eine Folge von insgesamt 23 Wandreliefs in der Größe von je 30 x 30 cm aus ziegelrot gebranntem Ton zu sehen. Die noch feuchten und weichen Tonplatten wurden von den Bewohnerinnen bildnerisch bearbeitet: Durch Modellieren (Ritzen, Eindrücken, Aushöhlen etc.) entstanden interessante Oberflächenstrukturen, Muster, aber auch Gegenständliches, wie Gesichter, Häuser oder Landschaften. 
Neben der therapeutischen Wirkung des künstlerischen Arbeitens war das Gefühl, an einem gemeinsamen Werk zu arbeiten, eine neue Erfahrung für die Bewohnerinnen. Es entstanden auch in ästhetisch-künstlerischer Hinsicht  sehr ansprechende Ergebnisse, auf die die Bewohnerinnen stolz sein können. Dies ist umso erstaunlicher, als die Mehrzahl der Teilnehmer demenzerkrankt ist.