Freitag, 14.10.2016

Junge Mitarbeiter testen bei Fortbildung das Rollstuhl-Gefühl

Ahlen. Wie ist eigenlich das Gefühl, auf einen Rollstuhl angewiesen zu sein? Praktisch erprobt haben es jetzt junge Mitarbeiter des Elisabeth-Tombrock-Hauses in Ahlen, die dort seit September ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder Bundesfreiwilligendienst (BFD) leisten.

In die Lage von Rollstuhlfahrern haben sich junge Mitarbeiter des Elisabeth-Tombrock-Hauses versetzt - angeleitet von Ergotherapeutin Doreen Bothe (r.).

Das Seniorenheim hatte für sie eine Fortbildung organisiert, bei der die Sicherheit im Umgang mit Rollstuhl und Rollator trainiert wurde. Außerdem gab es Informationen zu Themen wie Demenz und Kommunikation.
„Die jungen Frauen und Männer kommen direkt nach dem Schulabschluss zu uns und sind zwischen 17 und 20 Jahren alt", wissen Anne Böger, Sozialarbeiterin und Gerontopsychiatrische Fachkraft, sowie Ergotherapeutin Doreen Bothe. "Sie erleben bei uns erste Kontakte mit dem Berufsleben und im Umgang mit hochbetagten, oft dementiell erkrankten Menschen - da gibt es viele Fragen und Unsicherheiten", erklären die beiden erfahrenen Expertinnen, die die Fortbildung organisiert haben.

Höhepunkt sei ein Rollstuhl-Experiment, bei dem die Jugendlichen in Zweierteams verschiedene Aufträge in der Stadt erfüllen und die Barrierefreiheit von Einrichtungen und Institutionen testen sollten, heißt es in einer Mitteilung. Das Gefühl, selbst im Rollstuhl zu sitzen, sei für alle Teilnehmer etwas Neues gewesen: „Man vermutet nicht, wie unsicher man sich darin fühlt - auch wenn man die Bewohner hier jeden Tag schiebt“,  berichtet der 17-jährige Philipp Lotka.
Eingangs hatten sich die Teilnehmer mit Fragen der Demenz und ihren Auswirkungen auf den Menschen und sein Verhalten beschäftigt. Aus ihren ersten Wochen Tätigkeit im Seniorenheim konnten die jungen FSJler und BFDler bereits Erfahrungen einbringen und sich untereinander und mit den Fortbildungsleiterinnen austauschen.

Anfang September haben im Elisabeth-Tombrock-Haus 8 junge Frauen und Männer ihr Freiwilliges Soziales Jahr begonnen, zweiden Bundesfreiwilligendienst. Eingesetzt sind sie jeweils für ein Jahr in den Bereichen Hauswirtschaft im Wohnbereich, Sozialer Dienst, Hausservice und Empfang des Seniorenheims.

Ahlener Tageblatt, 14.10.2016