Samstag, 17.05.2014

Hier ist Leben im Quartier

Elisabeth-Tombrock-Haus kontert Bemerkungen aus dem Sozialausschuss

Präsentieren die Cafeteria: Anne Troester (l.) und Anita Wösthoff.

Von Martin Feldhaus

 

AHLEN. Das Schlagwort vom demografischen Wandel geistert durch Politik und Medien. Doch unabhängig von den Ursachen stellt sich die Frage, wie darauf reagiert wird, dass eine Gesellschaft immer älter wird. Gibt es in Ahlen eigentlich genügend Angebote für ältere Bürger? Wohl kaum, meinte jüngst Gabi Duhme (SPD) im Sozialausschuss und erklärte, dass im Ahlener Westen und Norden beispielsweise Nachbarschaftsprojekte fehlten. Das Elisabeth-Tombrock-Haus und das Hugo-Stoffers-Zentrum müssten insoweit „dranbleiben“, damit auch dort etwas laufe.

Mit dieser Einschätzung stößt die Ratsfrau nun auf Unverständnis. „Bei uns im Elisabeth-Tombrock-Haus ist das Leben lebendig, und zwar sowohl für die Bewohner als auch für die Nachbarn hier im Quartier“, kontert Einrichtungsleiterin Anne Troester diese Aussage. Man habe die zahlreichen Angebote im Bereich der sozialen Teilhabe extra auch für die Nachbarn und die Öffentlichkeit geöffnet. „Auch die Menschen in der Nachbarschaft werden älter, der Weg in die Stadt länger und die Versorgung zu Hause schwieriger“, so Anne Troester im Gespräch mit der „AZ“.

Zum Beleg hierfür legt Anita Wösthoff, stellvertretende Sozialdienstleiterin und Pressebeauftragte, eine lange Liste mit geplanten Veranstaltungen vor. Hier finden sich Maiandachten, Konzerte, Tanzcafes und zahlreiche weitere Veranstaltungen. Auch die Cafeteria des Hauses ist von 15 bis 17 Uhr für Externe geöffnet und dient bereits einigen ortsansässigen Senioren als regelmäßiger Treffpunkt. Auch die Kolpingsfamilie und eine Schlaganfall-Selbsthilfegruppe treffen sich regelmäßig im Seniorenheim.

Das klingt alles nicht nach Langeweile, findet auch Bewohnerin Lore Gunnemann, die Mitglied des Heimbeirates ist. „Das Angebot gefällt mir gut. Da gibt es nichts zu bemängeln“, sagt sie. Die Spiel- und Gedächtnisgruppe sowie die größeren Veranstaltungen jeden Mittwoch seien immer besondere Highlights.

Ermöglicht wird dieses breit gefächerte Angebot auch durch zahlreiche Ehrenamtliche. So sind im Tombrock-Haus regelmäßig Irmela Paus und Hildegard Dreyer anzutreffen. Seit 20 Jahren gehen sie bereits mit einem Kioskwagen durch die sieben Wohnbereiche und versorgen die 148 Bewohner mit Süßigkeiten, Pflegeartikel und Ähnlichem. „Wir möchten was für die Allgemeinheit tun, indem wir uns engagieren“, sind sich die beiden einig. Das koste zwar Zeit, aber man bekäme ja auch viel dafür zurück.

Danken tut es ihnen unter anderem Eva Vehring (82), die regelmäßig ein paar Kleinigkeiten kauft und dieses Angebot „sehr schön“ findet. Die Ehrenamtlichen, wie die Frauen mit dem Kioskwagen, sind leicht an der Sonnenblume zu erkennen, die sie auf ihrem Namensschild tragen. Sie begleiten auch die Gottesdienste, indem sie beispielsweise immobile Bewohner des Hauses im Rollstuhl dazu abholen. Gerade zum Gottesdienst kommen immer sehr viele Leute ins Haus und bleiben „oft auch zum Mittagessen oder zu Kaffee und Kuchen“, schildert Anne Troester weiter. Sie ist überzeugt, dass Einrichtungen, in denen nichts laufe, ganz anders aussehen als das Tombrock-Haus.

 

Ahlener Zeitung, 17.05.2014