Donnerstag, 10.11.2011

Freiwillige vor!

„Bufdi“ - das klingt erstmal so gar nicht nach reizvollem und interessantem Job. Doch der Eindruck täuscht. „Szene“ - Mitarbeiter Till Junker blickte zwei jungen Mitarbeitern eines Ahlener Seniorenheims über die Schulter.

„Dann wünsch ich den Damen einen guten Appetit, ruft Jennie Olschewski den Bewohnern zu, nachdem sie das Essen serviert hat. Sie arbeitet aber nicht in einem Restaurant. Gemeinsam mit Daniel Hagedorn absolviert die 19-jährige den Bundesfreiwilligendienst im Elisabeth-Thombrock-Haus in Ahlen. Seit dem 15. September kümmert sie sich in dem Altenheim um die Hauswirtschaft und Arztbegleitungen. Hagedorn ist seit dem 1. September für den Hausservice, die Wäsche und den Hol- und Bringdienst zuständig.
„Ich habe erst spät von der Uni erfahren, dass ich für meine Fächer nicht angenommen wurde“, erklärt Jennie Olschewski die Gründe für ihr freiwilliges Jahr. Der 19-jährige Daniel Hagedorn wusste nach dem Abitur nicht, was er machen sollte. Ich wurde sogar ausgemustert. Nun möchte ich die Zeit sinnvoll nutzen, um mich neu zu orientieren.“
Obwohl der Dienst freiwillig ist, haben sich die beiden dazu entschieden. „Ich finde, man kann der Gesellschaft auch mal etwas zurückgeben“, sagt Daniel. Und Jennie wollte „schon immer etwas Soziales machen“. Gleichzeitig kann sie ihren Verdienst für das Studium zurücklegen. Die „Bufdis“ können selbst entscheiden, wie lange sie ihren Dienst leisten wollen. Die Spanne reicht von sechs bis 18 Monaten. Beide möchten ein Jahr lang ihren Dienst leisten, die Arbeit füllt sie komplett aus.
„Die Bewohner sind sehr liebenswürdig und haben viel zu erzählen, schließlich sind sie ja alle schon älter“, erklärt Jennie lächelnd. Da fast 90 Prozent der Bewohner weiblich sind, ist Daniel häufig der Hahn im Korb und hat immer einen lockeren Spruch für die Bewohner auf den Lippen. Die wiederum freuen sich, dass sie so nett und aufmerksam versorgt werden.

Der Bundesfreiwilligendienst ist für das Elisabeth-Tombrock-Haus sehr wichtig. „Ohne Bufdis geht es nicht“, erklärt Heimleiterin Anne Troester. Sie hat daher auch eine eigene Werbekampagne gestartet, um auf ihr Haus aufmerksam zu machen. „Ich habe die Anzeige in der Zeitung gelesen“, sagt Daniel und zeigt, dass die Kampagne erfolgreich war. Ein wichtiger Punkt für Jennie und Daniel ist auch, dass sie kündigen dürfen, sollten sie während ihres Dienstjahrs einen Studienplatz bekommen.

„Wir legen hier niemandem Steine in den Weg“, erklärt Anne Troester. Das war im Zivildienst nicht möglich.

 

Hintergrund:

Nach 50 Jahren wurde der Zivildienst in Deutschland abgeschafft. Seit dem 1. Juli gibt es stattdessen den Bundesfreiwilligendienst. Es gibt keine Altersbegrenzung.

Im Vergleich zum Zivildienst wurden die Einsatzbereiche auf Sport, Integration, Kultur und Bildung erweitert. Zum 1. Juli gab es 35 000 Stellen, von denen 17 300 besetzt wurden. Dazu kommen 14 300 Zivis, die verlängert haben.

 

Ahlener Tageblatt, 5. November 2011