Samstag, 22.12.2012

Einsam auf seinen Schätzen sitzen, macht nicht froh

Von Lisa Voss-Loermann

Im Elisabeth-Tombrock-Haus wurde gerade die Krippe aufgebaut. Ursula Rump (l.) begleitet Rosa Hasler, die lange im Café Reinhardt gearbeitet hat, in die Kapelle. Bild: Anita Wösthoff

AHLEN (at). Im Elisabeth-Tombrock-Haus kennt praktisch jeder Ursula Rump. Die 68-jährige Hausfrau und Rentnerin geht seit 1997 regelmäßig in das Seniorenheim, um die Bewohner bei allen möglichen Dingen zu unterstützen, ihnen zu helfen oder sie einfach nur zu unterhalten. „Dazu gekommen bin ich durch die KFD St. Marien. Die Frauen haben einmal wöchentlich Bewohner des Hauses in Rollstühlen mit in die Stadt genommen, sind zum Markt oder zum Bummeln gegangen.“ Schnell war Ursula Rump dabei, den sogenannten Markttag mitzugestalten. Mitglied der Frauengemeinschaft war damals auch Rosa Hasler. Ursula Rump lernte die heute 83-jährige vor vielen Jahren in der Frauengemeinschaft kennen und schätzen. „Wenn ich mal krank werde, dann kümmerst Du Dich um mich“,“ und sie ahnten nicht, dass es tatsächlich so kommen könnte. Denn vor fünf Jahren musste Rosa Hasler, die alleinstehend ist, aus Krankheitsgründen aus ihrer Wohnung heraus und kam ins Elisabeth-Tombrock-Haus (ETH). Seither kümmerte sich Ursula Rump jeweils an drei tagen in der Woche um Rosa Hasler. Als Rosa Hasler dann aber im Oktober auch noch einen Schlaganfall erlitt, reichte das nicht aus. „Eigentlich komme ich jetzt, wann immer es geht, zu Rosa“, sagt Ursula Rump. Sie kauft für sie ein, besorgt ihr alles, was sie braucht, liest ihr vor und bleibt abends meist bis 19 oder 20 Uhr im Tombrockhaus. „Denn abends braucht sie meist Sauerstoff, und da bin ich dann bei ihr.“ Donnerstags begleitet sie Rosa Hasler in die Kapelle, „und wenn sie traurig ist, dann bete ich auch schon mal mit ihr.“ Dass das alles nur möglich sei, weil sie nichts zu tun habe, weist Ursula Rump weit von sich. Sie ist verheiratet, hat einen eigenen Haushalt ganz in der nähe des Caritas-Seniorenheims. „Mein Mann trägt das aber Gott sei Dank alles mit“, erzählt sie. Im Advent hat Ulla, wie sie hier alle nennen, auch fleißig beim Schmücken des Hauses geholfen. Man findet sie in der Cafeteria, wo sie dann auch für andere Bewohner da sei, wie sie betont. Und ihre Motive für so viel Selbstlosigkeit? Ursula Rump verweist auf einen Spruch, den sie in einem Kalender fand. Er ist ihr zur Maxime geworden: „Dankbarkeit über ein reich beschenktes Leben kann man auch in guten Taten weitergeben. Einsam auf seinen Schätzen zu sitzen, macht niemanden froh. Im Geben und Nehmen erlebt jeder das erfüllte Miteinander.“ Man nimmt es ihr ab.

Stichwort:

Im Elisabeth-Tombrock-Haus leben 150 Senioren, etwa die Hälfte von ihnen ist demenziell erkrankt. Neben den zahlreichen hauptamtlichen Betreuerinnen gibt es in dem Seniorenheim auch 71 Ehrenamtliche, die regelmäßig kommen und sich um die Bewohner kümmern. „Ich freue mich über jeden, der dazu kommt“, sagt der stellvertretende Heimleiter Mathias Wohde. „Das ist einfach Lebensqualität für die Bewohner. Andere Menschen beleben das Haus. Sie geben Impulse und bringen Veränderungen in den Alltag unserer Einrichtung.“ Möglichkeiten, sich einzubringen, gibt es genug. Wenn nachmittags Konzerte oder andere Veranstaltungen in der Cafeteria stattfinden, dann ist man hier dankbar für ehrenamtlich helfende Hände. Und viele der Bewohner freuen sich, wenn sie persönliche Ansprache bekommen oder jemand mal für sie einkauft oder mit ihnen spazieren geht.

Ahlener Zeitung, 22.12.2012