Donnerstag, 01.02.2018

Pia hilft Jana bei Ausbildung für regulären Arbeitsmarkt

Kreis Warendorf/Ahlen (gl). Pia heißt das Projekt, mit dem junge Menschen mit Behinderungen für Tätigkeitsfelder in Altenpflegeeinrichtungen qualifiziert werden. Daran beteiligt ist auch Jana Kemper.

v.l. Antonius Wolters, Sandra Grenzer, Anne Troester, Käthe Winkelmann, Jana Kemper, Joachim Fahnenmann

Die Lieblingsspeise am Geburtstag, ein besonders schön gedeckter Tisch, ein aufwendiges Gericht an Feiertagen: Daran haben viele Menschen, die in einer Altenpflegeeinrichtung leben, Freude. Um solche zusätzlichen Angebote machen zu können, wird Personal benötigt. Doch Helfer in der Hauswirtschaft sind auf dem Arbeitsmarkt nicht immer leicht zu finden.

Im Elisabeth-Tombrock-Haus in Ahlen geht man daher einen ungewöhnlichen Weg. Mit Unterstützung engagierter Partner wird dort eine junge Frau mit einer Behinderung für Aufgaben in der Hauswirtschaft geschult.

Jana Kemper hat fast immer ein Lächeln auf den Lippen. Die Bewohner des Elisabeth-Tombrock-Hauses in Ahlen mögen sie. Und Jana macht der Umgang mit den alten Menschen sichtlich Spaß. Seit einigen Monaten absolviert sie den praktischen Teil ihrer Qualifizierung in der Hauswirtschaft. Zu ihren Aufgaben gehören all die einfacheren und kleinen Tätigkeiten, mit denen sie die Fachkräfte entlasten kann. „Und das macht Jana richtig gut“, sagt Anne Troester, Einrichtungsleiterin des Elisabeth-Tombrock-Hauses, anerkennend.

Die beiden zusammengebracht hat das Projekt „Pia - Perspektive in der Altenpflege“. Pia qualifiziert junge Menschen mit einer Behinderung oder mit psychischen Erkrankungen dazu, einfache Aufgaben in der Altenpflege zu übernehmen. „Das ist ein innovativer und sehr überzeugender Ansatz“, unterstreicht Joachim Fahnemann, Leiter der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster. „Die Menschen können so ihre Fähigkeiten da einsetzen, wo sie gebraucht werden und leisten damit einen wichtigen Beitrag auf dem Arbeitsmarkt.“ Gleichzeitig gebe die Tätigkeit viel Selbstbewusstsein und sei ein wichtiger Baustein zu einem selbstständigen Leben. Für Antonius Wolters, Geschäftsführer der Freckenhorster Werkstätten, in deren Berufsbildungsbereich die 21-Jährige nach der Schule ihren Platz gefunden hatte, ist Janas bisheriger Weg eine Erfolgsgeschichte: „Wenn der Sprung in den regulären Arbeitsmarkt gelingt, ist das ein Gewinn für alle Seiten.“

 

Mit Bildungsbegleitern Probleme sofort aus dem Weg räumen

Elf junge Männer und Frauen nehmen momentan an dem Projekt Pia teil, das der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK-Landesverband Westfalen) durchführt.

Im Fall von Jana Kemper unterstützt die Agentur für Arbeit die Ausbildung finanziell. „Sie nimmt als Teilnehmerin im Berufsbildungsbereich der Freckenhorster Werkstätten teil, so dass dem Arbeitgeber für die Zeit der praktischen Ausbildung keine zusätzlichen Kosten entstehen. Darüber hinaus ist bei Übernahme in ein Beschäftigungsverhältnis eine weitere Förderung grundsätzlich möglich“, erklärt Wolfgang Abeln, Teamleiter Rehabilitanden und Schwerbehinderte in der Agentur für Arbeit.

Unterstützung gibt es auch durch die Bildungsbegleiter der Freckenhorster Werkstätten. „Wir haben regelmäßige Besuchs- und Gesprächstermine mit Jana Kemper. Kleine, oder manchmal auch größere Probleme können so oft direkt gelöst und aus dem Weg geräumt werden, erläutert Uli Schlösser, Leiter der Freckenhorster Berufsbildung.

Janas Qualifizierung dauert 15 Monate. Sie besteht aus praktischen Phasen im Elisabeth-Tombrock-Haus und aus Fachunterricht. „Durch diese enge Verzahnung von Theorie und Praxis können die Projektteilnehmer ihr erworbenes Wissen und ihre Fertigkeiten sofort erproben und die betriebliche Wirklichkeit kennenlernen“, erklärt Sandra Grenzer vom Integrationsfachdienst im Kreis Warendorf. „Andererseits haben auch die Einrichtungen die Möglichkeit, die Jugendlichen kennenzulernen und einen Blick dafür zu entwickeln, wo deren besondere Fähigkeiten liegen.“ Das sieht auch Anne Troester  so: „Das Projekt bietet einen geschützten Rahmen, in dem Jana sich weiterentwickeln kann. Und für uns ist es eine gute Gelegenheit, ihre Stärken zu entdecken und in der Praxis zu fördern.“

 

Ahlener Tageblatt, 1. Februar 2018