Samstag, 18.08.2018

Ein Genie der Hoffnung gegen alle Widerstände

Großneffe Rainer Tombrock überreichte Schwester Andrea, Provinzoberin des Ordens der „Missionsschwestern von der Unbefleckten Empfängnis“ und Heimleiterin Anne Troester ein Buch mit gesammelten Bildern und Zeitungsausschnitten seiner Tante.

Im Rahmen des Festaktes hat am Großneffe Rainer Tombrock überreichte Schwester Andrea, Provinzoberin des Ordens der „Missionsschwestern von der Unbefleckten Empfängnis“ und Heimleiterin Anne Troester ein Buch mit gesammelten Bildern und Zeitungsausschnitten seiner Tante.

Ahlen. „Maria, Du meine Hoffnung“, unter  diesem Thema hat am Donnerstagabend ein Gottesdienst mit Weihbischof em. Dieter Geerlings gestanden. Damit erinnerte das Elisabeth-Tombrock-Haus an seine Namensgeberin, die am Himmelfahrtstag vor 109 Jahren von Ihrer Knochen Tuberkulose in Lourdes geheilt worden war.
Als Gründerin des Ordens der „Missionsschwestern von der Unbefleckten Empfängnis“ hat die aus Ahlen stammende Nonne weltweit missioniert und Spuren der Menschlichkeit hinterlassen. Weihbischof Dieter Geerlings machte in seiner Predigt deutlich, dass sie die Kraft aus dem Glauben geschöpft habe. „Sie vertraute auf Gott und die Fürsprache Marias“ sagte er.
Die Heilung sei nur möglich gewesen, weil Maria ihre Hoffnung war, sie habe darauf vertraut. Sein Appell richtete sich an alle Menschen, den Glauben an Gott und sich selber nicht schnell zu verlieren. „Jeder hat seine Genialität“, zitierte er den Philosophen Albert Einstein. „Elisabeth Tombrock war ein Genie der Hoffnung gegen alle Widerstände.“

Eindrucksvoll sangen die Mitarbeiterinnen Jutta Mertens und Angelika Georges vom Sozialen Dienst das „Magnificat“, ein Lobgesang, den der Weihbischof als Protestsong gegen das Unrecht bezeichnete. Zu einer würdigen Gestaltung des Gottesdienstes in der Kapelle trugen Barbara Portmann-Gawer, Pastorin Kathrin Naechster, Petra Wulowitsch und Benno Krahnenfeld am Altar bei. Heimleiterin Anne Troester begrüßte die Bewohner und zahlreichen Gäste anschließend in der festlich geschmückten Cafeteria, darunter Vertreterinnen des Ordens aus Münster, den Ehrenvorsitzenden des Fördervereins, Heinz Wenhardt, den jetzigen Vorsitzenden Erhard Richard, Bürgermeister Dr. Alexander Berger und die Familie Tombrock, vertreten durch die Geschwister Rainer, Michael und Bärbel. Ein besonderer Gruß galt Werner und Anni Fischer. Sie hatten schon vor vielen Jahren am ehemaligen Geschäftshaus Jürs-Tombrock eine Gedenktafel zu Ehren Elisabeth Tombrocks anbringen lassen.

Großneffe überreicht Buch mit Nachlass

„Vor dem Tod meiner Mutter Elsmarie zeigte sie mir einen Schrank mit zahlreichen Dokumenten aus dem Leben meiner Tante Elisabeth“, berichtete Großneffe Rainer Tombrock. Sie habe ihn gebeten, den Nachlass zu verwalten und in Ehren zu halten. Zwei Jahre lang hatte der heute 72-Jährige alte Fotos, unzählige Zeitungsartikel gesichtet und sortiert. Herausgekommen ist ein beeindruckendes Buch, das er jeweils Schwester Andrea vom Orden und Heimleiterin Anne Troester überreichte.

Schwester Gertrud, Archivarin des Ordens, versprach, die Original Dokumente dem Museum in New Jersey, USA zu übergeben, wo Elisabeth Tombrock vor ihrem Tod gelebt und segensreich gewirkt hat.
Rainer Tombrock sicherte dem Elisabeth-Tombrock-Haus eine Spende in Höhe von 300 Euro für die Anschaffung einer Vitrine zu. Eine weitere Spende in gleicher Höhe versprach Dr. Alexander Berger als Schirmherr des Fördervereins. Darin sollten Fotos und Dokumente ausgestellt werden.

Der Bürgermeister würdigte die Arbeit des Großneffen und bezeichnete die Dokumentation als Zeugnis der Geschichte von unschätzbarem Wert. „Gelebte und erlebte Geschichte kehrt nach Ahlen zurück“, dankte er der Familie und überreichte ein Bild mit dem Straßennamen der Ordensschwester Immaculata, wie Elisabeth Tombrock genannt wurde. Schwester Andrea, Provinzoberin des Ordens, skizzierte den Werdegang der engagierten mutigen Ordensschwester.

Hintergrund

Elisabeth Tombrock wurde 1887 in Ahlen geboren. Sie studierte Pädagogik und wurde Lehrerin in Mühlheim. Als Schwester Maria Immaculata gründete sie den Orden der „Missionsschwestern von der Unbefleckten Empfängnis“. Von ihrer schweren Erkrankung wurde sie am 15. August 1908 in Lourdes geheilt. Danach wollte sie in das Clarissenkloster in Münster eintreten, doch die Aufnahme scheiterte. Der Bischof hatte mit ihr anderes vor.

Er schickte die Lehrerin nach Brasilien, wo sie die Mission aufbaute. 1931 startete sie die Mission in China, und zwar vom Bett aus, in dem sie gelähmt verharren musste. Ihr Wirken war stark in ihrem Glauben verwurzelt. Gestorben ist sie am 23. April 1938 als Oberin ihres Ordens in St. Bonaventure in N.J. (USA). In ihrem Haus in New Jersey, das heute kleines Museum ist, stehen noch ihr Bettgestell, ihre Schreibmaschine und persönlichen Gegenstände. Komplettiert wird die Sammlung mit dem Nachlass, den Großneffe Rainer für die Familie Tombrock aufgearbeitet hat.

 

Ahlener Tageblatt, 18. August 2018