Samstag, 16.01.2016

Demenz bedeutet Kontrollverlust

Vortrag von Frank Quibeldey

Ahlen. Einen Überblick über psychiatrische Erkrankungen im Alter ab 65 Jahren gab Frank Quibeldey am Mittwochnachmittag in seinem Vortrag „Alt und verrückt?!“. Es wurde deutlich, dass die Krankheiten für den äußeren Betrachter gleich erscheinen, in ihrer Ursache aber unterschiedlich sind.

Frank Quibeldey, Facharzt für Gerontopsychiatrie am St. Marien-Hospital Hamm, stellte in seiner Einführung fest, dass 25 Prozent aller Menschen über 65 Jahren an mindestens einer behandlungsbedürftigen psychischen Störung leiden. Depressionen und Demenzen sind dabei die häufigsten Diagnosen. Symptome für Demenz sind der Verlust der Kontrolle über Geist und Körper, wobei der Erkrankte diese Anzeichen durchaus erkennt und sich aus Verunsicherung immer mehr zurückzieht. Mögliche Aggressionen sind Folgen dieses Selbstschutzes. „Der demenzkranke Mensch ist in der ganzen Zeit Situationen ausgeliefert, die er nicht einschätzen kann“, beschrieb Frank Quibeldey.

Entgegen des Sprachgebrauchs ist Alzheimer nicht mit der Demenz gleichzusetzen, sondern eine degenerative Form der Demenz, also der Rückbildung von Gehirnmasse. Vaskuläre Demenz dagegen wird durch Durchblutungsstörungen ausgelöst, eine sekundäre Demenz entsteht durch andere Grunderkrankungen wie Stoffwechselstörungen, Infektionen oder Vergiftungen.

Frank Quibeldey stellte die einzelnen Demenzformen anhand von Gehirnquerschnitten und Krankheitsverläufen dar. Während sich die Alzheimer-Krankheit mit der Zunahme von Sprach- und Bewegungsstörungen schleichend steigert, verschlechtert sich eine vaskuläre Demenz nur schrittweise. Im Verlauf können sogar kurzfristige Verbesserungen erfolgen. Wegen der Vielseitigkeit der Demenzformen stellte der Oberarzt klar: „Es wird nie die eine Wunderwaffe gegen Demenz geben.“ Auch wenn das oft in Illustrierten publiziert werde. Therapien seien daher vielschichtig. Frank Quibeldey warnte vor zu hohen Erwartungen bei der Wirksamkeit von Medikamenten. Bei einer nicht-medikamentösen Therapie versuche man, die noch vorhandenen Fähigkeiten eines Erkrankten zu fördern, um so Besserungen zu erzielen.

 

Ahlener Zeitung, 16. Januar 2016