Dienstag, 28.02.2012

Damit Selbständigkeit nicht plötzlich endet

"Bobath"-Therapie: Dorothee Betke begleitet Senioren

Einzeltherapie nach dem "Bobath"-Konzept bietet Dorothee Betke, Ergotherapeutin des Elisabeth-Tombrock-Hauses, jetzt an.

AHLEN. „Eine Ergotherapeutin mit „Bobath“-Qualifikation ist eine Seltenheit in Seniorenheimen und etwas ganz Besonderes“, sagt Anne Troester, Leiterin des Elisabeth-Tombrock-Hauses, nicht ohne Stolz. Ihr Haus verfügt jetzt über eine solche: Dorothee Betke, seit sechs Jahren als fest angestellte Ergotherapeutin im Seniorenheim an der Kapellenstraße tätig, hat sich zusätzlich als „Bobath“-Therapeutin qualifiziert.

Darunter verstehen Fachleute eine spezielle Therapie bei neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfällen oder Parkinson. Ausgehend von der Erfahrung, dass das menschliche Gehirn „umlernen“ kann, wird durch ein besonderes Training darauf hingewirkt, dass intakte Hirnbereiche Funktionen von beeinträchtigten oder zerstörten Sektoren übernehmen. „So können etwa nach einem Schlaganfall manche zunächst verlorenen Fähigkeiten, vor allem im Bereich der Bewegung, wieder gewonnen werden“, beschreibt Therapeutin Betke das Verfahren.

Im Vordergrund stehe dabei das vom Bewohner jeweils selbst gewünschte Ziel. „Häufig geht es darum, die Lage im Bett selbständig wechseln zu können oder den Toilettengang ohne Hilfe zu bewerkstelligen“, so Dorothee Betke. Das „Bobath“-Verfahren könne zu mehr Selbständigkeit verhelfen.

So würden gegenwärtig mit einer Bewohnerin einzelne Bewegungssequenzen intensiv geübt und die dafür nötigen Muskeln gedehnt und gekräftigt. Die Seniorin sei nach einem Schlaganfall ins Elisabeth-Tombrock-Haus eingezogen - zunächst mit maximalem Hilfebedarf. Gemeinsam wolle man nun an ihrem Ziel arbeiten, sich wieder allein im Bett drehen und die gewünschte Position einnehmen zu können. Später komme die Rückgewinnung von Mobilität hinzu.

Das „Bobath-Konzept ist ein 24-Stunden-Konzept und endet nicht mit der Einzeltherapie“, weiß Dorothee Betke. So seien  alle, die mit den Bewohnern in Kontakt stehen, über die „Bobath“-Maßnahmen informiert. Hinzu kämen Absprache und Koordination mit Krankengymnasten, Ergotherapeuten und Logopäden sowie mit Ärzten.

Dass das Elisabeth-Tombrock-Haus nicht nur im Bereich Bewegung und Therapie erfolgreich neue Wege geht, sondern auch bei Ernährung und Mundpflege vorbildliches Engagement zeigt, wurde durch die Verleihung des Sonderpreises beim Bundeswettbewerb „Im Alter in Form: gesund essen, mehr bewegen“ der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen honoriert. Einrichtungsleiterin Anne Troester und Dorothee Betke nahmen den Preis stellvertretend für das gesamte Team in Hamburg entgegen. Die Auszeichnung erhielt das Ahlener Seniorenheim auch für Angebote im Bereich der Hauswirtschaft. Die frühere Bundesgesundheitsministerin Ursula Lehr würdigte in der Laudatio die Ergebnisse des Projekts unter Leitung von Käthe Winkelmann. "Ahlener Zeitung, 28. Februar 2012"